Ingas 3. Rundbrief
Hallo ihr Lieben,
mittlerweile sind schon mehr als 4,5 Monate vergangen, die ich hier im schönen Valparaiso leben darf. Was für mich aber leider auch heißt, dass schon mehr als die Hälfte meines Volontariats vorüber ist und schon bald werden Sätze wie „Koffer packen und Abschied nehmen!“ mein täglicher Begleiter sein.
Seit meinem letzten Rundbrief sind nun einige Tage ins Land gegangen und ich kann euch sagen, es ist bei mir richtig viel passiert!!!
Aber ich fange jetzt erst einmal von vorne an, nämlich wie ich hier die Advents- und Weihnachtszeit erleben durfte. Ende November wurden sämtliche Scheren, buntes Papier
und kreative Ideen gesammelt, denn wir durften einen Adventskalender für das Fitnesscenter des ACJ basteln. Wir überlegten uns, dass es für jeden Tag einen ausgewählten Bibelvers mit kleinem christlichem Input zum Mitnehmen geben sollte. Gesagt getan, nach einer halben Woche „Power Basteln“ war der große Kalender für die Eingangshalle und auch ein Kleiner mit den Versen zum Mitnehmen fertig gebastelt, verziert und aufgehängt.
Da es in Chile keine Adventskalender gibt, hat unserer echt viel Aufmerksamkeit erregt und viele Menschen zum nachdenken gebracht, was uns sehr glücklich machte. Mehrmals am Tag durften wir die Briefumschläge mit neuen Zetteln auffüllen und dabei ist auch das eine oder andere gute Gespräch über Weihnachten entstanden!
Im letzten Rundbrief hatte ich geschrieben, dass wir uns bis Anfang Dezember entscheiden mussten, wer Valparaíso verlässt und hoch in den Norden geht. Nach vielen Gebeten und Gesprächen beschlossen wir, dass Andy, Vanessa und Jonas in Antofagasta ihre neue Arbeitsstelle antreten dürfen. Somit waren unsere letzten gemeinsamen Tage Anfang Dezember gezählt und unsere „Familie“ trennte sich nach dem fünftägigen Zwischenseminar. Dieses Seminar nutzten wir zum Reflektieren, Probleme lösen, in die Zukunft blicken und vor allem zum Kennenlernen der ACJ in Chile.
In dieser Zeit reisten wir ganz weit hinauf in den Norden, erst nach Antofagasta und danach nach Iquique (was mit dem Bus 24Stunden Fahrt bedeutete). Somit konnten wir die neue Arbeitstelle von Andy, Vanessa und Jonas erkunden und unseren Einblick in die weltweite Arbeit des CVJMs um einiges vertiefen. Wie gesagt nach diesen Tagen trennten wir uns und kehrten dann nur noch zu viert in unsere Wohnung nach Valparaíso zurück.
Ab diesem Zeitpunkt hat sich bei uns super viel geändert. Denn Weihnachten und die Sommerferien (Ja Sommerferien, bei mir scheint gerade die Sonne und es ist sehr, sehr heiß!) standen vor der Tür und somit legten wir die Arbeit auf den zwei Hügeln bis voraussichtlich Mitte März bei Seite.
Weihnachten ist ein gutes Stichwort, denn dies habe ich einzigartig verbracht. Nicht typisch mit Weihnachtsliedern, Familie und Gottesdienst… Nein! Ich war am frühen Nachmittag mit Freunden auf einem Platz im gefährlichsten Viertel von Valparaíso unterwegs, um dort den obdachlosen Menschen ein Stück der Weihnachtsfreude zu bringen. Ausgerüstet mit einen riesigen Topf, der bis an den Rand gefüllt war mit leckerer und duftender Paella, starteten wir unsere kleine Weihnachtsarmenspeisung.
Als wir die Leute einluden und ihnen zu essen gaben, nahm ich mir die Zeit und setzte mich neben einem älteren Herrn. Er roch sehr komisch, war ein bisschen angetrunken und sah sehr traurig aus. Er erzählte mir, dass er eine Frau und ein Kind hier in Valparaíso habe, aber nicht zu ihnen zurück kommen dürfe… Er fing an bitterlich zu weinen und ich nahm in den Arm, um ihn zu trösten. Aber das gelang mir nicht so wirklich, sodass ich ihn fragte, ob ich für ihn, sein Leben und seine Familie beten dürfe. Er schaute mich ziemlich verwirrt an und willigte ein. Ich fing an zu beten, legte diese sehr verzwickte Situation in die Hände Jesus und bat Jesus bei ihm zu sein und ihm zu helfen. Nach diesem Gebet, hatte er aufgehört zu weinen und er wurde ganz ruhig. Er schaute mich an, bedankte sich von Herzen und hatte Tränen in den Augen, aber diesmal nicht vor Trauer, sondern weil ihn dieses Gespräch und Gebet so bewegt hatte. Und genau diese Begegnung war mein „aller schönstes“ Weihnachtsgeschenk überhaupt!!!
Nach dieser Begegnung, der Topf leer und die Bäuche viele Menschen gefüllt war, fuhren wir zu einem Supermarkt. Dieser Ort wurde für diesen Tag komplett umgestaltet, sodass wir dort ca. 350 Obdachlose bewirteten und ihnen ein Weihnachtsfestmahl servieren konnten. Ja, ein Festmahl war es, denn an Essen, gute Laune und an Geschenken mangelte es an diesem Tag nicht. Am Ende des 24. Dezembers fiel ich hundemüde, aber überglücklich gegen ein Uhr in mein Bett und dachte noch einige Zeit über diesen eindrucksreichen, komplett anderen Tag nach.
Nun, gestärkt von diesen Ereignissen stürzte ich mich in die Arbeit der Sommerprogramme. Die erste Woche des Januars verbrachte ich zusammen mit Alf auf einer Sommerfreizeit im inneren des Landes. Hier bietet der ACJ die ganzen zwei Sommermonate einwöchige Freizeiten für Kinder, Jugendliche und Familien an.
Diese sind alle kostenlos und die Teilnehmer kommen fast alle von den beiden ärmsten Hügeln Valparaísos, oder aus den Kinderheimen des ACJ. Als ich das hörte, konnte ich nur noch staunen! Denn ich erlebe hier ganz oft, wie der ACJ kein Geld hat und sparen muss. Dem ACJ ist es sehr wichtig, dass sie diesen armen Menschen jedes Jahr solche Freizeiten anbieten kann.
In dieser Woche haben wir ganz ganz viele Spiele gespielt. Teilweise auch mit Materialen, an die ich nie im Traum gedacht hätte, wie zum Beispiel „Matsch“… So spielten wir einen ganzen Vormittag Matschspiele, was allen einen großen Spaß gemacht hat!
Täglich besuchten wir den nahegelegenen Teich, oder das eigene Schwimmbad, um uns von der Hitze abzukühlen. Mich hat es mit sehr viel Freude erfüllt, so viel Zeit mit den Teilnehmern (und natürlich auch Mitarbeitern) verbringen zu können. Am aller schönsten fand ich es in der Mittagspause mit den Kindern und Jugendlichen christliche Lieder zu singen und mit ihnen dadurch über den Glauben in ein Gespräch zu kommen. Diese Zeit war für uns alle ein sehr großer Gewinn.
Meine letzen zwei Wochen (und auch die nächsten fünf Wochen :-) ) verbrachte ich in den „Vacaciones Felices“, was so viel wie glückliche Ferien bedeutet. Täglich kommen zwischen 35 und 60 Kinder und Jugendliche in den ACJ, um mit uns glückliche Ferien zu verbringen.
Für uns (= das ca. acht Köpfige Mitarbeiterteam) heißt das jede Menge an Vorbereitung, Zeit und Kreativität für jeden neuen Tag!
Es werden über den Tag verteilt sechs verschiedene Workshops angeboten an denen jeder teilnehmen muss. Wir Deutschen haben die Hauptverantwortung für zwei Workshops, welche je zwei Mal die Woche angeboten werden. Einer beinhaltet die Mission und den anderen haben wir dem Thema „Improvisation“ gewidmet. Ersteres ist wie eine Jungscharstunde mit den Elementen einer Geschichte aus der Bibel, einem Input, einer Aktion und vielen Spielen. Dies macht mir und den Teilnehmern meist sehr viel Spaß und ich gehe richtig darin auf meine Jungschar Erfahrung einbringen zu können!!!
Der zweite Workshop variiert von Mal zu Mal. Denn wie gesagt Improvisation heißt spontan sein und das sieht in der Realität so aus, dass wir Geschichten lesen, basteln, Singen oder Theater spielen.
Darüber hinaus ist es an der Tagesordnung noch andere Workshops zu übernehmen und sich schnell was einfallen zu lassen. So geschah es, dass ich schnell die Verantwortung für „Tischspiele“, „Sport“ oder „Handarbeit“ übernehmen durfte. Besonders schwer für mich ist es, meine vielen Ideen ins Spanische zu Übersetzen und diese dann einleuchtend zu erklären. Gott sei Dank hat sich mein Spanisch in den letzen drei Wochen um Welten verbessert und manchmal passiert es, das ich in spanischer Sprache denke (Ich sage euch, dass ist ziemlich erschreckend!!!). Ach ja, und zweimal die Woche gehen wir zu sehenswürdigen Orten in Valparaíso, um die eigene Heimat besser kennen zu lernen.
So das war es mal wieder von mir aus Chile. Ich bin euch von Herzen dankbar, dass ihr mich im Gebet begeleitet und so ein großes Interesse an meinem Leben zeigt! Ich bin jedes Mal von neuem Begeisterst, wenn ich den aktuellen Stand meines Spendenkontos erfahre und einfach merke, wie sehr ihr mich unterstützt!
Gott befohlen
Inga
Gebetsanliegen:
- Für ganz viel Geduld, Energie und Liebe für die Kinder und Jugendlichen, mit denen ich täglich neun Stunden verbringen darf.
- Gottes Segen und Bewahrung für meine Familie. Für meine Schwester, die jetzt in Irland lebt. Meinem Bruder, der sein erstes Arbeitsjahr als Diakon angefangen hat.
- Für meine Eltern, dass sie von Gott durch ihren Alltag getragen werden.
- Sensibilität für den Willen Gottes. Damit ich immer besser seine Stimme höre, seinen Willen erkennen und umsetzen kann.
- Aber ihr dürft Gott auch ganz stark danken. Für alles das, was hier schon in seinem Namen geschieht und wobei ich ein Teil davon sein darf.
Wusstest du schon:
- Dass hier Frauen mehr in der Krankenversicherung kosten, da diese „mehr kosten“ wenn sie schwanger werden.
-
Dass man hier auf dem Flohmarkt viele Bücher von berühmten deutschen Schriftstellern kaufen kann.
- Dass hier im Theater Liebesgeschichten von einem deutschen Paar aus dem 2.Weltkrieg gespielt werden.
- Dass der Großteil der chilenischen Bevölkerung keine „richtige“ Milch trinkt, sondern immer nur Milchpulver, da dieses praktischer und viel günstiger ist.
- Dass der Hendrik bei einer Spielerklärung die Idee hatte Gruppen von zwei Personen und Gott bilden zu lassen („Grupos de Dios“ anstatt „Grupos de dos“). Hm… warum nicht, immer mal was neues;)
- Dass du unter dem Schirm des Höchsten sitzt und du deswegen vor niemanden und nichts Angst haben musst. Denn Gott hat seinen Engeln befohlen dich zu behüten auf all deinen Wegen (nach Psalm 91)



Hier klicken, um diesen Rundbrief als PDF herunter zu laden.

