Die Gaben des Geistes
Eine Umfrage unter 1200 engagierten Christinnen und Christen zeigte ein nachdenkliches Ergebnis: 80 Prozent aller Befragten wissen nicht, was ihre geistlichen Gaben sind. Nur 20 Prozent gaben an, dass sie ihre Gaben kennen und gebrauchen. Offensichtlich ist diesem Thema in der Vergangenheit nicht genügend Beachtung geschenkt worden.
Was ist eine geistliche Gabe?
Die Mehrzahl der verschiedenen christlichen Kreise und Kirchen können dieser Definition zustimmen:
Eine geistliche Gabe ist eine besondere Fähigkeit, die Gott – nach seiner Gnade – jedem Glied am Leib Christi gibt und die zum Aufbau der Gemeinde eingesetzt werden soll.
In dieser Definition ist jedes Element wichtig:
- Eine besondere Fähigkeit: Jeder Christ hat eine andere Gaben. So wie ein menschlicher Körper viele Glieder und Organe hat, so setzt sich auch der Leib Christi – die Gemeinde – aus vielen Christinnen und Christen zusammen, die jeweils unterschiedliche Funktionen haben (vgl. Röm. 12,4-8; 1. Kor. 12, 17-20). Welche Funktionen das sind, wird im Wesentlichen durch ihre geistlichen Gaben bestimmt.
- Gott: In der Christenheit gibt es unterschiedliche Auffassungen von geistlichen Gaben. Das hat meist mit unterschiedlichen Gottesbildern und unterschiedlichen Prägungen zu tun. Manche Gruppen verstehen nur solche Gaben, die jenseits des „geschöpflichen oder natürlichen Bereichs“ anzutreffen sind, als „geistlich“. Für andere sind ausschließlich die geschöpflichen Gaben gültig, während der Bereich des Übernatürlichen eher skeptisch gesehen wird. Wieder andere konzentrieren sich vorrangig, wenn nicht gar ausschließlich, auf die Frage, was bestimmte Gaben zur Erfüllung des Missionsauftrags beitragen. Und alle diese Gruppen können gute Argumente für ihre jeweilige Position anführen. Der trinitarische Ansatz, der die Gaben, die besonderen Fähigkeiten, mit dem dreieinigen Gott (Schöpfer, Jesus und Heiliger Geist) zeigt sich dabei als eine gute Glaubens- und Verstehenshilfe. Ganz gleich, ob wir davon ausgehen mögen, dass Gaben vom Schöpfer, von Jesus oder vom Heiligen Geist gegeben werden, letztlich ist es immer Gott, der sie uns schenkt. Und wir können sicher sein, sie nach Gottes Willen zu gebrauchen, wenn wir sie zu seiner Ehre und zum Nutzen Anderer gebrauchen.
- Nach seiner Gnade: Gott gibt seinen Kindern geistliche Gaben nicht als Belohnung für Charakterfestigkeit oder geistliche Reife. Er gibt sie allein nach seiner Gnade (vgl. Röm. 12,6) und sie werden so verteilt, wie er es für richtig hält. Geistliche Gaben sollten nicht mit der „Frucht des Geistes“ verwechselt werden (vgl. Gal. 5,22).
- Jedem Glied am Leib Christi: Jeder Christ hat zumindest eine geistliche Gabe (vgl. 1. Kor. 12,7-11; 1. Petr. 4,10). Wenn ein Christ seine Gaben nicht kennt, dann liegt das nicht daran, dass Gott ihm keine Gabe gegeben hat. Es liegt einzig allein daran, dass er/sie die Gabe noch nicht entdeckt hat.
- Zum Aufbau der Gemeinde: Alle wichtigen Aussagen, die das Neue Testament zu geistlichen Gaben macht (Röm. 12,1; 1. Kor. 12; Epheser 4), stehen im Zusammenhang mit dem „Leib Christi“ und seinem „Aufbau“. Geistliche Gaben sind nicht nur für die Auferbauung des Einzelnen gegeben, sondern sollen Anderen zugute kommen (vgl. 1. Kor. 14,2-5.26; Eph. 4,12). Wer sich der christlichen Gemeinschaft entzieht, kann seine Gaben nicht so einsetzen, wie Gott es vorgesehen hat. Jedes Nachdenken über geistliche Gaben muss daher mit einem Nachdenken über den Gemeindeaufbau einhergehen. Sobald wir diese beiden Themen voneinander trennen, gibt es Probleme.
(Auszüge aus: Christian A.Schwarz: Die 3 Farben deiner Gaben, S.42)
