Familie?!?
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- Erstellt am Dienstag, 04. Oktober 2011 19:41
Liebe Leserin, lieber Leser,
mindestens 300km bin ich unterwegs, wenn ich meine Eltern oder meine Geschwister besuchen möchte.
Manche meiner Freunde „von damals“ wohnen auch so weit weg. Und manche dieser Freundschaften haben die Entfernung nicht überstanden.
Aber die Verbindung zu meiner Familie ist trotz der gleichen Entfernung doch irgendwie anders als zu meinen Freunden.
Wenn wir uns unsere Entwicklung angucken, dann spielt die eigene Familie, die eigenen Eltern unterschiedliche Rollen in unserem Leben. Als Säugling, Baby und Kleinkind sind wir noch sehr auf unsere Eltern angewiesen und auf sie fixiert. Mit unseren Geschwistern verbringen wir sehr viel Zeit. Doch nach und nach grenzen wir uns immer stärker von unseren Eltern ab. Bis dahin, dass ein anderer Mensch unser Herz gewinnt. Wir gründen unsere eigene Familie mit eigenen Kindern. Und diese neue Familie ist unsere Aufgabe. Diese neue Familie ist uns im Regelfall wichtiger als unsere Eltern und Geschwistern. Diese neue Familie ist das neue Zentrum unseres Lebens.
Und dennoch bleibt eine ganz besondere Verbindung zu unseren Eltern und Geschwistern.
Die Familie ist eine sehr intime Einheit. In einer Familie bekommt man viel voneinander mit. In einer Familie kennt man sich. Die stärken und die schwächen.
Eine Familie ist ein Heimatort. Ein Zufluchtsort. Ein Ort, an dem es immer wieder auch Spannungen gibt, aber auch ein Ort, an dem man weiß, dass man dort keine Masken tragen muss. Ja, auf Dauer auch gar nicht tragen kann.
In einer funktionierenden Familie kann man sich nicht auf Dauer etwas vorspielen. In einer Familie hat man ein Interesse aneinander.
In Markus 3,35 sagt Jesus: „Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“
Diesen Gedanken finde ich sehr spannend.
Wenn Jesus uns als seine Geschwister bezeichnet, dann sagt er, dass er genau diese Sehnsucht nach uns hat. Er hat die Sehnsucht mit uns in einem Verhältnis zu stehen, das von Nähe und Geborgenheit geprägt ist. In einem Verhältnis, das faktisch nicht lösbar ist.
Ich kann zwar zu meinem Bruder sagen: „Du bist nicht mehr mein Bruder.“ Ich kann aufhören mit ihm zu sprechen. Ich kann ihn ignorieren. Dennoch bleibt er biologisch mein Bruder. Auch, wenn er 300km entfernt wohnt.
Diese Verwandtschaft kann ich ignorieren – oder pflegen.
Wenn Jesus uns als seine Familie bezeichnet, dann bedeutet dass, dass wir eingeladen sind miteinander auch wie Geschwister umzugehen.
Dann bedeutet dass, dass wir eingeladen sind bei uns in der Gemeinde einander wie Geschwister wertzuschätzen und aufeinander zu achten.
Vielleicht kriegen wir es hin, hier vor Ort christliche Gemeinschaft so zu leben, dass man etwas von der gemeinsamen Familie spürt.
Vielleicht bekommen wir es hin christliche Gemeinschaft so zu leben, dass etwas von der Geborgenheit, Liebe und Wertschätzung, zu spüren ist, die es in einer Familie geben kann.
Dazu helfe uns Gott.
Ihr Tim Herzog
