Auf die Unterbrechungen kommt es an

Liebe Leserin, lieber Leser,

zur Zeit versuche ich meine alten Motorräder wieder zum Laufen zu bekommen. Im Schuppen steht immer noch meine erstes selbst gekauftes Zweirad mit Motor: eine Bella Zündapp R150 von 1954.

Leider will sie nicht mehr.

aufeinwort2011-08Der berühmte Einzylinder-Zweitakt-Roller springt einfach nicht an, obwohl mir ein Freund einen überholten Motor eingebaut hat.

Woran könnte es liegen?

 

Nun, der erfahrene Schrauber weiß: "Beim Zweitakter ist es der Vergaser oder die Zündung - oder Du hast ein echtes Problem."

Der Vergaser ist frisch gereinigt, Sprit kommt auch, also muss es die Zündung sein. Ein Blick in die Zündanlage weißt die Richtung: Der Unterbrecher sieht nicht gerade funktionsfähig aus. Vergammelt und angekeimt blickt er aus dem Gehäuse.

Der Unterbrecher könnte es also tatsächlich sein! Jenes kleine Teil, das sich im richtigen Moment öffnet und den Stromkreis in der Zündspule unterbricht. Durch den entstehenden Impuls erzeugt die Zündspule dann den nötigen Zündfunken an der Zündkerze.

Ohne Unterbrechung gibt es keinen Zündfunken. Ohne die richtige Unterbrechung zum richtigen Zeitpunkt und in der richtigen Länge läuft der Motor unrund, stottert oder im schlimmsten Fall wird er zerstört.

Wie im Leben, denke ich mir.

Auf die Unterbrechungen kommt es an, auf die Stille und die Ruhe zur richtigen Zeit und in richtiger Länge.

Wie sagt doch Jesaja (Jesaja 30,15) zum geplagten und gestressten Volk Israel warnend:

Der Herr,
der heilige Gott Israels,
hat zu euch gesagt:
"Wenn ihr zu mir umkehrt
und Stille haltet,
dann werdet ihr gerettet.
Wenn ihr gelassen abwartet und mir vertraut,
dann seid ihr stark."
Aber ihr wollt ja nicht...

Ohne Pause, ohne Stille, ohne Zeit zum Atemholen bricht das Leben zusammen, läuft unrund, stottert so vor sich hin oder wird im schlimmsten Fall zerstört.

Wie gut, dass es im Fußball eine Halbzeit gibt.
Wie gut, dass es auf der Arbeit und in der Schule eine Pause gibt.
Wie gut, dass wir in der Woche (noch) den Sonntag haben.
Wie gut, dass es in unserem Leben Gottesdienste gibt.
Wie gut, dass wir im Alltag zur Ruhe kommen und zum Gebet finden.
Wie gut, dass nach einem Schuljahr nun Ferien sind.
Wie gut, dass es im August für viele Urlaub gibt – auch für mich.

Eine gesegnete Urlaubs- und Ferienzeit,

eine gute Zeit zum Entspannen und Kraft tanken,

eine heilsame Unterbrechung, nach der wieder die Funken der Lebensfreude und Phantasie sprühen wünscht Ihnen

Stefan Lipfert

 

PS: Vielleicht bekomme ich beim Basteln im Urlaub meine alte Bella wieder zum Laufen.